Christian Ebmeyer erklärt im Video den Antragsablauf

Misshandlungen: Antragsfrist für Entschädigungen verlängert

Neuigkeiten

Der als gehörloser Telekom-Mitarbeiter bekannte Christian Ebmeyer informiert in einem YouTube-Video über die Antragsstellung der Stiftung Anerkennung und Hilfe. Im Interview mit Judit Nothdurft beklagt der Hamburger, dass von den Gehörlosenverbänden zu wenig Aufklärungsarbeit betrieben wird. Bei der Stiftung Anerkennung und Hilfe können Menschen mit Behinderung, die als Kinder und Jugendliche in Heimen waren, einen Antrag auf Entschädigung stellen, wenn sie dort Leid und Unrecht erfahren haben. Eine Auszahlung bis zu 14.000 Euro pro Person ist möglich.

Für die Bundesrepublik Deutschland und die ehemalige DDR gelten unterschiedliche Zeiträume. Für die alten Bundesländer ist es der Zeitraum zwischen dem 23. Mai 1949 und dem 31. Dezember 1975. Für die neuen Bundesländer gilt der Zeitraum vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990. Unter Leid und Unrecht fallen nicht nur körperliche Gewalt (wie zum Beispiel Schläge oder Vergewaltigungen), sondern auch psychische Misshandlungen oder Unterversorgung. 

Ebmeyer zufolge fand zuletzt im Januar 2018 eine Informationsveranstaltung des Gehörlosenverbands München und Umgebung statt. Von den anderen Verbänden hätte es hierzu nichts gegeben. Deshalb sei vielen Gehörlosen nicht bewusst, dass auch sie einen Antrag stellen können. Zum einen würden sie nichts von der Möglichkeit wissen und zum anderen denken, dass sich die Stiftung nur an Menschen richtet, die schwere körperliche Gewalt erlebt haben.

In dem Interview beschreibt Ebmeyer den Prozess seines eigenen Antrages. Er selber musste dazu schriftlich erklären, wie er Leid erlitten hatte. Doch er berichtet von Bekannten aus anderen Bundesländern, die nur einen Fragebogen ankreuzen mussten. Das heißt, die Antragsstellung ist in jedem Bundesland unterschiedlich. Er betont, dass auch eine stichpunktartige Liste möglich ist. Zudem folgt auf die Antragsstellung ein persönliches Gespräch, bei dem Gebärdensprachdolmetscher dabei sind. Das müsste aber im Einzelfall abgesprochen werden.

Eine Kontaktaufnahme mit der Stiftung und damit die Antragsstellung ist noch bis Ende 2020 möglich. Danach kann es sein, dass die Ansprüche verfallen. Ursprünglich war die Antragsfrist auf den 31. Dezember 2019 gesetzt. Ende des vergangenes Jahres beschloss man, die Frist um ein Jahr zu verlängern.

In der DGZ 04 | 2018 berichteten wir ausführlich über die Misshandlungserfahrungen Gehörloser in Heim und Schule. Auch die Arbeit der Stiftung Anerkennung und Hilfe und die Antragsstellung wird erklärt. Um die Aufklärung und Information weiter voranzutreiben, haben wir den kompletten Artikel kostenlos veröffentlicht: Das Grauen in den Anstalten.

Sehen statt Hören berichtete im Oktober 2018 ebenfalls über das Thema und erstellte ein Informationsvideo. In dem Film wird anschaulich erklärt, wer einen Antrag auf Entschädigung stellen kann. Auch auf der Webseite der Stiftung gibt es mehrere Gebärdensprachvideos und Kontaktmöglichkeiten über E-Mail (info.gehoerlos@bmas.bund.de) oder Videotelefon (gebaerdentelefon@sip.bmas.buergerservice-bund.de) für Gehörlose.

, , ,
Vorheriger Beitrag
Das Grauen in den Anstalten
Nächster Beitrag
DGB fordert offene Untertitel in Kinos

Ähnliche Beiträge

Selected Grid Layout is not found. Check the element settings.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Annett Geipel
31. Mai 2019 19:43

Hallo,

ich war im Internat von 1977 bis 1987 in erfurt.Mein Mann war von 1968 bis 1978 in Güstrow.
Wir möchten beantragen.

Mit freundl.Gruß
Annett und Rigo

Antworten
Annett Geipel
4. Juni 2019 18:14

Hallo,

ich war im Internat von 1977 bis 1987 in erfurt.Mein Mann war von 1968 bis 1978 in Güstrow.
Wir möchten beantragen.

Mit freundl.Gruß
Annett und Rigo

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü