Ein Fernseher zeigt Dolmetschereinblendung in klein und daneben noch einmal vergrößert. (Quelle: Samsung)

Neue Fernseher können Gebärdensprache zoomen

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Der Elektronikgigant Samsung hat anlässlich des Sehbehindertentages am 6. Juni 2019 neue Barrierefreiheits-Funktionen für seine neuen Fernseher vorgestellt. Die Modelle der QLED-Baureihe haben nun verschiedene Funktionen, um Menschen mit Behinderung das Fernsehen angenehmer zu machen. Für Gehörlose gibt es neben den bekannten Untertitelfunktionen einen sogenannten „Gebärdensprache Zoom“. Der Bildbereich, in dem sich Dolmetscher befinden, kann ausgewählt und vergrößert werden. Dabei wird das Fernsehbild etwas kleiner und rechts neben dem Bild ein vergrößertes Bild des Ausschnitts eingeblendet. 

Auch an Schwerhörige und andere Arten von Beeinträchtigungen hat die Firma gedacht. Diese können die Lautstärke von Kopfhörern – ob per Kabel oder über Funk – unabhängig von der Lautsprecherlautstärke steuern. So können mehrere Menschen in unterschiedlichen Lautstärken zusammen fernsehen. Für körperlich beeinträchtigte Menschen wird auf Sprachsteuerung über Samsungs Assistenten „Bixby“ gesetzt. Ähnlich wie Siri oder Alexa kann dieser gesprochene Befehle verstehen und ausführen. Sehbeeinträchtigte Menschen, die bestimmte Farbkombinationen nicht auseinander halten können, können über die „SeeColors”-App das Farbverhältnis ihren Bedürfnissen anpassen. 

Die Pressekonferenz von Samsung wurde auf YouTube im Livestream gezeigt. Dazu gab es fest eingebrannte („offene“) Untertitel, die aber jedoch von der Größe her nicht anpassbar waren. Zudem handelte es sich um durch Spracherkennung generierte Untertitel. Diese wurden ohne Satzzeichen fortlaufend eingeblendet. Auf Twitter gab es schnell Nachfragen, ob es auch Gebärdensprachdolmetscher gäbe. Samsung antwortete, dass es noch keine gibt. In Zukunft wolle der Konzern aber verstärkt mit Betroffenen zusammenarbeiten, um auch die Pressearbeit inklusiver zu gestalten.

Die Plattform Leidmedien hat zum Sehbehindertentag eine Statistik erarbeitet. Das Schaubild zeigt, wie hoch der Anteil der barrierefreien Sendungen tatsächlich ist. Somit sind nur etwas mehr als ein Drittel der Sendungen untertitelt und knapp fünf Prozent mit Audiodeskription versehen. 

Die Statistik bezieht sich dabei auf alle Sender, also private und öffentlich-rechtliche Sendeanstalten. Durch den hohen Anteil der nicht untertitelten Sendungen bei privaten Sendern gibt es insgesamt eine schlechtere Statistik. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben nämlich eine vergleichsweise hohe Untertitelquote von teilweise 90 Prozent oder mehr. Auf der Webseite TV für Alle, die von Leidmedien entwickelt wurde, kann das Fernsehprogramm nach Barrierefreiheit gefiltert werden. Auf Knopfdruck werden so nur die untertitelten oder audiodeskribierten Sendungen angezeigt. Das Projekt soll nicht nur das Fernsehen für Menschen mit Behinderungen komfortabel machen, sondern auch auf Missstände in der TV-Barrierefreiheit aufmerksam machen.

Nicht nur „TV für Alle” war auf der Pressekonferenz vertreten, sondern auch Verbände wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband und die Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten. Im Herbst will der Elektro-Hersteller zudem einen „Hackathon” veranstalten, bei dem Programmierer gemeinsam um die Wette an Lösungen für Barrierefreiheit tüfteln.

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